Libyen 15 Jahre nach Gaddafi
Am 20. August 2026 jährte sich der Sturz von Muammar al-Gaddafi zum 15. Mal. Viel zu feiern gab es am Jahrestag aber nicht. Zwar empfanden viele Menschen das Ende von Gaddafis Herrschaft als Befreiung, allerdings versank Libyen danach im bis heute andauernden Bürgerkrieg.

Das heutige Libyen entstand während der Zeit des Hochimperialismus: 1911/12 besetzte Italien die beiden osmanischen Provinzen Tripolitanien und Cyrenaika. Anschließend dehnte das südeuropäische Land seine Herrschaft in den Fessan aus, eine Landschaft in der Wüste Sahara. Aus den drei Provinzen wurde die Kolonie Libyen geformt. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde daraus ein unabhängiges Königreich, das 1969 von Gaddafis revolutionärer Republik abgelöst wurde. Gaddafis Regierung war autoritär und am Sozialismus ausgerichtet. Mit der Zeit ließ er auch islamische Elemente in seine Ideologie einfließen. Er machte sich im Land viele Feinde, die sich 2011, dem Jahr des Arabischen Frühlings, gegen ihn erhoben. Es folgte eine britisch-französischen Militärintervention, die die Rebellen unterstützte. Gaddafi verlor daraufhin Herrschaft und Leben. Nach seinem Ende plünderten Bürger*innen die Arsenale der zerfallenen libyschen Armee und es entstanden jene Milizen, die Libyen heute kontrollieren.
Die verschiedenen Milizen begannen sich ab 2014 offen zu bekämpfen. Libyen zerbrach dabei in zwei rivalisierende Machtbereiche. In der Cyrenaika gewann der vom Nachbarland Ägypten unterstützte General Khalifa Haftar zunehmend an Einfluss. Die vornehmlich von der Türkei unterstützte Einheitsregierung in der Hauptstadt Tripolis kontrollierte hingegen Tripolitanien. Haftar gelang es im Laufe der Zeit, seinen Machtbereich immer weiter auszuweiten. Heute kontrolliert er auch den Großteil des Fessan und das östliche Tripolitanien. Im Jahr 2020 versuchte er in einer großangelegten Offensive Tripolis zu erobern, was aber an einer türkischen Intervention scheiterte. Seitdem gilt der Libysche Bürgerkrieg als weitgehend eingefroren. Es kommt gelegentlich zu kleineren Auseinandersetzungen.
Während sie sich vereinzelt bekämpfen, müssen die beiden Hauptkriegsparteien Libyens wirtschaftlich zusammenarbeiten. So ist Libyens Wirtschaft fast vollständig vom Erdöl abhängig. Es wird zwar in Haftars Herrschaftsbereich gefördert, aber über Tripolis international vermarktet. Daher müssen sich die Einheitsregierung und Khalifa Haftar die Einnahmen aus dem Ölgeschäft teilen.





