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Rassistische Stereotype im internationalen Fußball

13. Aug.
3 Min. Lesezeit

Warum die Angriffe auf Kylian Mbappé das Wiederaufleben kolonialer Vorurteile im internationalen Fußball offenbaren.


Kylian Mbappé bei der Fußball-WM 2026 © Bryan Berlin, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4_bearbeitet
Kylian Mbappé bei der Fußball-WM 2026 © Bryan Berlin, Wikimedia Commons, CC BY-SA 4_bearbeitet

Jede Fußball-Weltmeisterschaft zeigt die verbindende Kraft des Sports. Menschen aus allen Kontinenten verfolgen gemeinsam die Spiele und fiebern mit ihren Nationalmannschaften. Gerade deshalb sollte die Weltmeisterschaft ein Fest der Vielfalt sein. Doch die Fußball-WM 2026 macht eine besorgniserregende Entwicklung sichtbar: die zunehmende Banalisierung kolonialer Stereotype im öffentlichen Diskurs über afrikanische Nationalmannschaften, Schwarze Fußballspieler und Menschen afrikanischer Abstammung.


Während des Turniers häuften sich abwertende Äußerungen über den afrikanischen Fußball. Afrikanische Mannschaften wurden als „wild“ oder taktisch undiszipliniert beschrieben. Französische Nationalspieler afrikanischer Abstammung wurden erneut so dargestellt, als seien sie weniger Französisch als ihre weißen Mannschaftskollegen. Aussagen wie „Das ist nicht Frankreich, sondern Afrika“ zeigen, dass koloniale Denkmuster noch immer fortwirken.


Für sich genommen mögen solche Bemerkungen wie unbedachte Formulierungen erscheinen. In ihrer Gesamtheit offenbaren sie jedoch ein beunruhigendes Muster: die schleichende Normalisierung von Vorstellungen, die ihre Wurzeln in der Kolonialzeit haben und die in einer demokratischen Gesellschaft keinen Platz haben dürfen.


Mit den rassistischen Äußerungen der paraguayischen Senatorin Celeste Amarilla wurde schließlich eine neue Grenze überschritten. Nach dem Achtelfinalsieg Frankreichs gegen Paraguay veröffentlichte sie auf der Plattform X Beiträge, in denen sie Kylian Mbappé wegen seiner Hautfarbe, seiner Herkunft und seiner Staatsangehörigkeit angriff. Sie bezeichnete ihn unter anderem als einen „kolonisierten Kameruner“, der „verzweifelt versuche, sich als Franzose auszugeben“, und verglich ihn mit einem Schimpansen.


Der Vergleich eines Schwarzen Menschen mit einem Menschenaffen gehört zu den brutalsten Formen rassistischer Entmenschlichung. Über Jahrhunderte hinweg diente er dazu, Versklavung, Kolonialherrschaft und pseudowissenschaftliche Rassentheorien zu rechtfertigen. Die Bezeichnung „kolonisierter Kameruner“ fügt dieser Entmenschlichung eine weitere Dimension hinzu. Sie spricht Kylian Mbappé seine französische Staatsbürgerschaft ab und reduziert ihn auf eine koloniale Herkunft, obwohl er in Frankreich geboren wurde und sein Land seit Jahren auf höchstem internationalem Niveau repräsentiert.


Gerade die Verbindung von Entmenschlichung und symbolischer Aberkennung der Staatsangehörigkeit macht die besondere Schwere dieser Aussagen aus. Sie richten sich nicht nur gegen Kylian Mbappé, sondern gegen Millionen Schwarzer Bürger*innen sowie Menschen afrikanischer Abstammung, deren Zugehörigkeit zu ihrer jeweiligen Nation bis heute immer wieder infrage gestellt wird.


Kylian Mbappé ist Franzose. Er ist der Kapitän der Nationalmannschaft „Paris St Germain“ bei der WM. Seine Staatsangehörigkeit ist weder verhandelbar noch von seiner Hautfarbe abhängig. In einem demokratischen Rechtsstaat bestimmt nicht die ethnische Herkunft über die Zugehörigkeit zu einer Nation, sondern das Recht und der Grundsatz der Gleichheit aller Bürger*innen.


Der Fall Mbappé zeigt, dass der Kampf gegen Rassismus weit über den Fußball hinausreicht. Rassistische Gewalt beginnt selten mit körperlichen Angriffen. Sie beginnt mit Worten, Bildern und Stereotypen, die über Jahre hinweg wiederholt werden, bis sie selbstverständlich erscheinen. Gerade deshalb tragen Politiker*innen, ehemalige Spitzensportler*innen, Kommentator*innen und Medien eine besondere Verantwortung. Ihre Worte prägen das gesellschaftliche Klima.


Kylian Mbappé reagierte entschlossen, aber mit Augenmaß. Er bezeichnete die Senatorin als eine „verachtenswerte Frau, die ihres Amtes unwürdig ist“. Zugleich machte er deutlich, dass sie weder das paraguayische Volk noch die paraguayische Nationalmannschaft repräsentiert. Diese Unterscheidung verdient Respekt. Wer Rassismus bekämpft, darf niemals ganze Völker verurteilen. Es geht nicht darum, Nationen gegeneinander auszuspielen, sondern universelle Werte zu verteidigen.


Wir erklären Kylian Mbappé unsere uneingeschränkte Solidarität. Darüber verteidigen wir ein grundlegendes Prinzip demokratischer Gesellschaften: Kein sportlicher Erfolg, keine Staatsangehörigkeit und keine Menschenwürde dürfen aufgrund der Hautfarbe oder der Herkunft eines Menschen infrage gestellt werden.

Die Fußball-Weltmeisterschaft gehört der ganzen Welt. Sie sollte nicht eine Bühne für die Rückkehr kolonialer Denkmuster sein. Der Kampf gegen Rassismus ist universell, denn Rassismus existiert überall auf der Welt.


Der Fußball gehört uns allen.


Die Staatsbürgerschaft hat keine Hautfarbe.


Die Menschenwürde erst recht nicht.


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