Tschad: Interreligiöser Dialog zum Erhalt des Friedens
Der Tschad ist ein religiös zerrissenes Land. Um eine Eskalation möglicher Konflikte vorzubeugen, werden die großen Religionsgemeinschaften nun enger zusammenarbeiten.

Der Tschad liegt im Zentrum der Sahelzone. Er hat Anteile an zwei völlig verschiedenen Naturräumen: Im Norden liegt die Wüste Sahara, im Süden hingegen die Feuchtsavanne. Das führt zu zwei grundlegend unterschiedlichen Lebensweisen: Im Norden, wo die Bevölkerungsmehrheit lebt, dominiert die Viehzucht muslimischer Gläubiger, im Süden hingegen der Ackerbau durch Christ*innen. In den Übergangszonen zwischen Wüste und Feuchtsavanne, die sich infolge des Klimawandels immer weiter nach Süden verschieben, kommt es zwischen Viehhirt*innen und Ackerbäuer*innen regelmäßig zu Konflikten um Land, die auch schon Todesopfer gekostet haben. Die Streitereien werden religiös aufgeladen und dadurch verschärft. Interkonfessionelle Ehen sind im Tschad selten. Insgesamt leben in dem Land ungefähr 22 Millionen Menschen.
Um die Lage zu entschärfen und zukünftigen Konflikten vorzubeugen, haben die großen Religionsgemeinschaften des Tschad Ende Juni eine interreligiöse Plattform ins Leben gerufen. Für die muslimische Gemeinschaft unterzeichnete Scheich Abdadayim Abdallah Ousman, für die katholische Erzbischof Edmond Djitangar Goetbé und für die protestantische Tao Élysée, Generalsekretär der Allianz der evangelischen Kirchen (EEMET). Geistliche aller drei Richtungen sollen künftig in religiösen und sozialen Fragen eng zusammenarbeiten. Der Plattform gehören zunächst 13 feste Mitglieder an: Fünf Muslime, vier Katholiken und vier Protestanten.
Der Protestant Elysée erklärte, die Bevölkerung des Tschad bilde eine Nation, die gemeinsam aufgebaut werden müsse. Der Tschad sei ein Staat mit kooperativem Säkularismus. Das heißt, es bestünde zwar eine Trennung von Staat und Religion, aber Gott müsse seinen Platz in der Gesellschaft haben. Der Muslim Scheich Abdadayim Abdallah Ousman bezeichnete Katholiken und Protestanten hingegen als Brüder und Schwestern der islamischen Gemeinschaft. Letztere habe ein Interesse an einem friedlichen Zusammenleben im Tschad und an der Schärfung des Bewusstseins in der Bevölkerung, zuallererst Tschader*innen zu sein.
Die Regierung um Präsident Mahamat Idriss Déby, wegen autokratischer Tendenzen selbst nicht unumstritten, begrüßte die Bildung der Plattform und sagte ihr staatliche Unterstützung zu. Der stellvertretende Ministerpräsident Limane Mahamat sprach von einem wichtigen Schritt hin zum Zusammenhalt in der tschadischen Gesellschaft.





