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Adua 1896 – München 2026: Das Ende der weißen Masken - Ein Kommentar

München, Ort von Rubios Rede © Prakhyath Deshpande, Pexels
München, Ort von Rubios Rede © Prakhyath Deshpande, Pexels

Am 2. März 2026 jährt sich die Schlacht von Adua (Äthiopien) zum 130. Mal — jener Augenblick, in dem das europäische Monopol auf Souveränität militärisch und moralisch zerbrach. Als das Königreich Italien 1896 auf kolonialer Expansion setzte, zeigte das äthiopische Kaiserreich visionäre Entschlossenheit. Kaiser Menelik II. vereinte lokale Machtpole gegen den Angriffskrieg auf Äthiopien. Die Mobilisierung von rund 100.000 Menschen war ein logistischer Meisterakt, zentral gesteuert von Kaiserin Taytu, die selbst Truppenteile führte. In den Bergen Nordäthiopiens wurde die europäische Hierarchie nicht nur geschlagen, sondern völkerrechtlich delegitimiert: Souveränität offenbarte sich als universelles Recht, das aktiv erkämpft wird.


Dagegen steht Marco Rubios Auftritt auf der Münchner Sicherheitskonferenz. Seine Beschwörung einer „christlichen Zivilisation“ klingt wie das Echo jenes imperialen Denkens von 1896. Liest man Rubio durch die Brille Frantz Fanons, offenbart sich ein bitteres Paradox: Als Sohn kubanischer Einwanderer, gepfercht in einem Gefüge, die Latinos oft als Bedrohung brandmarkt, legt er die „weiße Maske“ des Eroberers an. Seine Rede: ein Versuch, Herkunft durch die Sprache der Konquistadoren zu tilgen — um Akzeptanz bei Donald Trump und James Vance zu erringen. Er inszeniert sich als zivilisiert, um nicht als „verdächtiger Latino“ markiert zu werden.


Das Elend jedoch, ist der Applaus europäischer Delegierter in München. Jene, die noch verwirrt auf Trumps imperialen Griff nach Grönland reagierten, jubeln jetzt demselben Geist, solange er als Verteidigung der „westlichen Zivilisation“ getarnt ist. Diese Bigotterie bestätigt erneut den Abschied von einer regelbasierten Weltordnung. Wer 130 Jahre nach Adua Identität wieder über Recht stellt, fordert jenen Widerstand heraus, der 1896 Weltgeschichte schrieb. Wahre Stabilität braucht keine Zivilisationsgrenzen, sondern Gleichrangigkeit als unantastbares Recht.

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