Der Ölschacher im Osten Afrikas
- Aleksandar Abramović

- 9. Apr.
- 3 Min. Lesezeit
Am 19. März wurde die Kenya Petroleum Company an der Börse in Nairobi notiert. Hinter dem Börsengang stehen strategische Interessen Kenias, die teilweise mit jenen der Nachbarländer Uganda und Tansania kollidieren.

Kenia teilt das Schicksal vieler afrikanischer Staaten und ist bei internationalen Gläubigern hoch verschuldet. Die Regierung in der Hauptstadt Nairobi muss rund die Hälfte des Staatshaushaltes für den Schuldendienst ausgeben. Aus eigener Kraft kann so der Ausbau der kenianischen Infrastruktur nicht gelingen. Um letztere doch noch zu entwickeln, muss Präsident William Ruto anderweitig an Kapital gelangen. Dazu soll nun die profitable Kenya Pipeline Company (KPC) durch den Gang an die Börse teilprivatisiert werden: 65 Prozent der Unternehmensanteile stehen zum Verkauf.
Die Kenya Pipeline Company ist nicht irgendein Unternehmen, sondern das Rückgrat der kenianischen Energieinfrastruktur, denn sie pumpt Benzin vom Hafen Mombasa in die nationalen Metropolen. Kenias Regierung möchte derzeit das Energienetz des Landes in die Nachbarstaaten erweitern: Nach Südsudan und Äthiopien (Projekt LAPSSET) sowie nach Uganda und weiter nach Ruanda, Burundi und in die Demokratische Republik Kongo (UKCOP-Pipeline). Durch die Realisierung von LAPSSET und UKCOP würde Kenia zum zentralen Umschlagplatz für Energielieferungen nach und durch Ostafrika. Endpunkt des neuen Transport- und Energiekorridors wird der Hafen Lamu an Kenias Nordküste sein. Damit möchte die Regierung Ruto die hohe Abhängigkeit ihres Landes von Mombasa beenden.
Wie bereits angedeutet benötigt Kenia Geld, um den angestrebten Korridor aus LAPSSET und UKCOP fertigzustellen. Um das Kapital zu besorgen, ist Kenia auf Partnerschaften mit dem Privatsektor und den Nachbarstaaten angewiesen. Zum Beispiel auf Uganda, dem Nairobi Anteile an der KPC anbietet. Für die ugandische Regierung in Kampala eine Chance, Einfluss auf das kenianische Pipelinenetzwerk zu gewinnen. Ein wichtiges Unterfangen, denn Uganda führt fast sein ganzes Benzin über Kenia ein, mit steigender Tendenz hinsichtlich des Gesamtvolumens der Kraftstoffimporte. Folglich schlossen die beiden Nachbarländer Ende 2024 ein Abkommen, das vorsieht eine wichtige Benzin-Pipeline von Eldoret im Südwesten Kenias nach Kampala zu verlängern.
Trotz dieser bewährten Zusammenarbeit fürchtet Uganda, sich von Kenia allzu sehr abhängig zu machen. Der Grund: Uganda wickelt den Großteil seines Im- und Exports über den Hafen Mombasa ab und ist daher auf das Pipeline-, Autobahn- und Eisenbahnliniennetz Kenias angewiesen. Kampala möchte diese Abhängigkeit nun reduzieren, indem es seinen Außenhandel diversifiziert. Beispielsweise beim Erdöl, welches in Uganda vor zwanzig Jahren gefunden wurde und mit dessen Export das Land spätestens 2027 beginnen möchte: An und für sich hätte ein Export über die UKCOP nahegelegen. Jedoch entschied sich Kampala dafür, die beiden im Westen Ugandas befindlichen Ölfelder an die EACOP anzuschließen, die, durch den Norden Tansanias führend, im tansanischen Hafen Tanga (nördlich von Daressalam) endet. Dadurch besteht auch die Möglichkeit, dass Uganda sein Benzin zum Teil über Tansania einführt.
Für Kenia ergeben sich daraus fehlende Transiteinnahmen. Noch schlimmer aber wäre eine völlige Abwendung Kampalas von Nairobi, denn Uganda liegt geographisch zwischen Kenia einerseits und Ruanda, Burundi und der DR Kongo andererseits. Nur über Uganda kann die UKCOP bis in diese drei Länder verlängert werden. Falls die Pipeline nicht gebaut würde, müssten Ruanda, Burundi und die DR Kongo ihr Benzin über Tansania einführen. Dies käme für Kenia einem Bedeutungsverlust in Ostafrika gleich. So würde sich Tansania auf diese Weise zu einer Drehscheibe im regionalen Energiehandel entwickeln und Kenias traditionelle wirtschaftliche und politische Führungsrolle in der Ostafrikanischen Gemeinschaft (EAC) in Frage stellen.
Beobachter*innen des Öl- und Benzinschachers in Ostafrika raten Kenia dazu, sich um Uganda zu bemühen. Nairobi könnte der ugandischen Regierung um Yoweri Museweni eine Neunutzung der bestehenden Pipelines anbieten. Im Gegenzug könnte sich Kampala dazu verpflichten, wenigstens einen Teil seines Öls über Kenia zu exportieren.




