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Droht der Anglikanischen Kirche die Spaltung?

Ein Kirchenchor in Lagos (Nigeria) © Megwara Favour, Pexels
Ein Kirchenchor in Lagos (Nigeria) © Megwara Favour, Pexels

Die Anglikanische Kirche hat weltweit rund 95 Millionen Gläubige. Sie ist in 42 weitgehend autonome Kirchenprovinzen unterteilt, die untereinander durch die vier „Instrumente der Kommunion“ verbunden sind: Das sind der Erzbischof von Canterbury (Großbritannien), der Anglikanische Konsultativrat, die Lambeth-Konferenz und das Primatentreffen. Dieser Kirche droht nun die Spaltung. Die Ursache: Unvereinbare Ansichten im Umgang mit sexuellen Minderheiten und der Frage, ob Frauen zu höheren geistlichen Ämtern zugelassen werden sollen oder nicht.


Die „Church of England“, gewissermaßen die Mutterkirche des Anglikanismus, ist dazu übergegangen, gleichgeschlechtliche Paare zu segnen, homosexuelle Geistliche zu weihen und berief Sarah Mullally erstmals in der Geschichte eine Frau an ihre Spitze. Als Erzbischöfin von Canterbury wird Mullally zugleich das symbolische Oberhaupt der globalen anglikanischen Gemeinschaft sein, die „Erste unter Gleichen“. Für viele konservative Gläubige vor allem im Globalen Süden ist diese Ernennung ein Affront. Sie widerspricht ihrer Bibelauslegung, nach der Frauen nicht ins Bischofsamt gelangen dürfen.


Die konservativen Gläubigen werden seit dem Jahr 2008 von der „Globalen anglikanischen Zukunftskonferenz“ (Gafcon) vertreten. Innerhalb von Gafcon nehmen die Kirchenprovinzen Nigeria, Uganda und Ruanda eine führende Rolle ein. Das Bündnis hat sich inzwischen aus den Gremien der anglikanischen Gesamtkirche zurückgezogen. Im März 2026 folgte im nigerianischen Abuja die Wahl eines eigenen kirchlichen Oberhauptes, das in direkter Konkurrenz zum Erzbistum von Canterbury steht. Gafcon sieht sich selbst nicht als eine Abspaltung an. Vielmehr soll das Bündnis laut eigenen Angaben die ursprüngliche anglikanische Gemeinschaft auf Grundlage der Bibel erhalten.


Expert*innen sprechen dennoch von einer faktischen Kirchenspaltung. Sie wird aber nicht von allen afrikanischen Kirchenprovinzen unterstützt. So sprachen sich Kenia sowie das südliche Afrika für die Wahl von Mullally zur Erzbischöfin von Canterbury aus und lehnen Gafcon ab.

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