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Mali: Militärregierung unter Druck der Islamisten

In Mali haben Islamisten eine Blockade über die Hauptstadt Bamako verhängt. Sie soll dazu dienen, die malische Militärregierung um Assimi Goita mittel- bis langfristig zu stürzen und einen Gottesstaat in Mali zu errichten. Bei einem Erfolg drohen die Islamisten auch in die benachbarten Länder einzudringen.


Mali auf der Landkarte © Juan Alejandro Bernal, shutterstock
Mali auf der Landkarte © Juan Alejandro Bernal, shutterstock

Seit der Unabhängigkeit von Mali im Jahr 1960 hat die malische Regierung in der Hauptstadt Bamako die Provinzen zugunsten der Kapitale vernachlässigt. Das hat unter anderem in der im äußersten Westen gelegenen Provinz Kayes zu einem großen Unmut in der lokalen Bevölkerung geführt. Aktuell bekämpfen sich dort die malische Armee und die islamistische Miliz JNIM („Unterstützerin des Islams und der Muslime“). Letztere befindet sich auf dem Vormarsch und sie hat die gleichnamige Hauptstadt der Provinz umzingelt. Deren Verlust hätte für die malische Militärregierung um Staatspräsident Assimi Goita schwerwiegende Konsequenzen: Durch Kayes verläuft der Transportkorridor zwischen Bamako und dem senegalesischen Hafen Dakar, über den Mali seit den 2000er Jahren den Großteil seines Außenhandels abwickelt. Gleichzeitig sind auch die Transportrouten nach Mauretanien und Cote d´Ivoire unter den Druck der Islamisten geraten.


Seit dem Jahr 2011 tobt in der Sahelzone ein islamistischer Aufstand. Er wurde durch den Zufluss vieler Waffen aus Libyen ausgelöst, wo eine westliche Militärintervention den Langzeitherrscher Muammar al-Gaddafi gestürzt hatte. Seit 2012 hat der Aufstand auch den Norden Malis fest im Griff. Nachdem im August 2020 das malische Militär an die Macht kam, beendete es viele gegen die Islamisten gerichtete internationale Sicherheitsabkommen. Übrig blieb nur die Unterstützung durch Russland, das aber in der Ukraine selbst in einen Krieg verwickelt ist und nur begrenzt helfen kann. Daher eskalierte die islamistische Gewalt weiter, und die JNIM hat ihren Aktionsradius inzwischen auf den Süden Malis ausdehnen können. Bei ihrem Vormarsch setzt die islamistische Miliz auf verschiedene Taktiken: Zum einen mobilisiert sie die lokalen Unterschichten gegen die herrschenden Gruppen und kann dadurch viele Kämpfer und massiv an Einfluss gewinnen. Wo dies nicht möglich ist, setzt die JNIM auf Einschüchterung durch Entführungen und Hinrichtungen. Die Angriffe auf Militär- und Polizeiposten vervollständigen dieses Bild. Die Regierung Goita ist immer weniger in der Lage, die Islamisten einzudämmen.


Dafür ursächlich ist die Unfähigkeit von Malis Armee, das gesamte Land flächendeckend zu kontrollieren. Auf diese Weise entstehen für die JNIM Rückzugsräume, von wo aus sie neue Angriffe starten kann. Etwa gegen die wichtigsten Autobahnen und Eisenbahnlinien, die von Senegal, Mauretanien und Cote d´Ivoire nach Bamako führen. Damit unterbrecht die JNIM den Güterverkehr und hat in Malis Hauptstadt eine Verknappung von Lebensmitteln und Benzin sowie massive Stromausfälle ausgelöst. Assimi Goita versucht sich durch den Einsatz bewaffneter Konvois zu helfen, was laut Expert*innen einen taktischen Fehler darstellt: Die Konvois binden viele Soldaten, die in anderen Gebieten fehlen. Letztere fallen so an die Islamisten. Die Regierung in Bamako reagiert mit Angriffen aus der Luft, was aber viele zivile Opfer fordert. Um zu Überleben, fliehen vor allem junge Männer zur JNIM. Auch anderweitig versucht sich Goita mit einer harten Hand: Er hat alle politischen Parteien verboten, unterdrückt die Zivilgesellschaft und hat oppositionelle Medien aufgelöst. Damit schwächt er aber die öffentliche Unterstützung für seine Regierung. Das kommt dem Ziel der JNIM entgegen, die Militärregierung zu stürzen und in Mali einen Gottesstaat zu errichten.


Wenn die malische Militärregierung stürzt, hätte dies für ganz Westafrika Folgen. Zum einen wären Niger und Burkina Faso gegenüber Angriffen der JNIM exponiert. Auch in diesen beiden Staaten herrschen Militärs, die schon heute Probleme haben, die JNIM und andere islamistische Gruppierungen militärisch einzudämmen. Daher können sie die malische Regierung nur unzureichend unterstützen. Sollte auch Malis westlicher Nachbar Senegal in den islamistischen Aufstand hineingezogen werden, hätte das laut Beobachter*innen verheerende Auswirkungen. Senegal bildet derzeit einen Stabilitätsanker in Westafrika und ist ein wichtiger Partner des Westens bei der Eindämmung des Dschihadismus. Mauretanien hingegen würde, falls die JNIM auf sein Gebiet übergreift, seine Rolle als Vermittler zwischen Islamisten und den nationalen Regierungen in der Sahel-Zone verlieren. Das könnte die Gewalt dort auf ein neues Level heben.

 
 
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