Mord an Lumumba: Anklage gegen ehemaligen belgischen Diplomaten?
- Ousman Basirou

- 26. Feb.
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Patrice Lumumba war der erste Ministerpräsident der DR Kongo. Separatisten aus der abtrünnigen Provinz Katanga richteten ihn dort im Januar 1961 hin. Belgien wurde vorgeworfen, in die Hinrichtung verwickelt gewesen zu sein. Um die Jahrtausendwende war die Beweislast dafür so groß geworden, dass das belgische Parlament eine Untersuchung in Auftrag gab. Deren Abschlussbericht legte ausführlich dar, wie belgische Regierung die Überstellung Patrice Lumumbas aus Kinshasa nach Katanga unterstützt hatte, obwohl ihr klar gewesen war, dass ihn dort der Tod erwartete. Auch seien bei der Hinrichtung belgische Offiziere anwesend gewesen. Im Jahr 2001, nach der Veröffentlichung des Berichts, drückte Brüssel sein tiefes Bedauern aus und erkannte eine moralische Verantwortung für die Hinrichtung Lumumbas an.
2011 legte Lumumbas Familie bei Gericht eine Beschwerde gegen elf belgische Bürger ein, die in den Mord an Lumumba verwickelt gewesen sein sollen. Das führte zu einer juristischen Untersuchung und im Juni 2025 beantragte die belgische Staatsanwaltschaft beim Brüsseler Kriminalgericht ein Verfahren gegen den heute 93-jährigen Etienne Davignon. Davignon war 1961 belgischer Diplomat gewesen und späteres Mitglied der Europäischen Kommission. Das Kriminalgericht muss nun über den Antrag entscheiden. Sollte Davignon doch nicht der Prozess gemacht werden, etwa weil er zu alt ist oder falls er verstirbt, erwägt Lumumbas Familie eine Zivilklage gegen die belgische Regierung.
Die in Belgien lebende kongolesische Diaspora verfolgt das Verfahren gegen Davignon aufmerksam. Sie hofft auf ein klares Signal an das kongolesische Volk, dass niemand den Ministerpräsidenten eines souveränen Staates ermorden könne, ohne Konsequenzen fürchten zu müssen. Viele Beobachter*innen betonen zudem, die Untersuchungen im Fall Lumumba geben Belgien eine einzigartige Gelegenheit, sich stärker mit seiner kolonialen Vergangenheit auseinanderzusetzen. Eine solche Auseinandersetzung wäre eingebettet in einen breiteren internationalen Diskurs über historische Verantwortlichkeit für koloniale Verbrechen. Ein Schuldspruch gegen Davignon könnte damit einen Präzendenzfall schaffen.




